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KfW finanziert Abwasserbehandlung und Sanierung von Trinkwasserleitungen in Nablus

Baustelle einer Wasserleitung

Wasserverluste im Leitungsnetz werden vermindert.

Seit Jahren setzt sich die KfW im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) für die geregelte Abwasserreinigung der Stadt Nablus in der Westbank ein. Außerdem werden Wasserverluste im Leitungssystem der Stadt reduziert. Die KfW fördert dabei Pilotprojekte, die Vorzeigecharakter für die gesamte Region besitzen.

Nicht nur die Einwohner, auch Gewerbebetriebe in Nablus produzieren Abwasser. Steinmetze belasten das Abwasser mit feinem Steinstaub, Hersteller von Sesamölpaste mit Salz und Molkereien mit Fetten. Problematisch sind auch die Abwässer von Schlachtereien, Olivenmühlen und Jeansfabriken.

Bisher wurden Abwässer in Klärgruben oder Tanks gesammelt, um sie sporadisch zu entsorgen. Die meisten Abwässer versickerten einfach und gefährdeten das Grundwasser.

Die KfW hat sich im Auftrag der Bundesregierung und der EU mit insgesamt über 100 Mio. EUR engagiert, um das Abwassermanagement und die Wasserversorgung in der zweitgrößten Stadt der Westbank zu verbessern. Abwasser soll nicht mehr ins Grundwasser gelangen. Dadurch steigt auch die Qualität des Trinkwassers. Von Wasser übertragene Krankheiten kommen seltener vor.

"Für die Palästinenser ist Wasser ein knappes Gut", erklärt der verantwortliche Projektmanager Georg Grüner. "Unser Engagement im Bereich der Trinkwasserversorgung, Abwasserbehandlung und -nutzung ermöglicht eine nachhaltige Nutzung dieser wertvollen Ressource."

Vorzeigeprojekt für die Region

Dazu werden die Leitungen erweitert, ein Abwassersammelkanal gegraben und eine weitere Kläranlage gebaut. Seit 2013 ist bereits eine Anlage in Betrieb und gilt seither als Vorzeigebetrieb. Inzwischen wurden weitere Gemeinden angeschlossen, ein Biogaskraftwerk erzeugt Strom aus Klärschlamm und die ersten Granatäpfel konnten auf der mit Abwasser versorgten Musterpflanzung geerntet werden. Dies ist wegweisend für die palästinensischen Gebiete.

Für etwa 100 kleine Gewerbebetriebe in Nablus werden zudem Möglichkeiten gefunden, ihre Abwässer vorzuklären, damit sie in den städtischen Kläranlagen entsprechend aufbereitet werden können. Ein eigens aufgebautes Umweltamt überprüft die Behandlung der Industrieabwässer.

Außerdem wird die landwirtschaftliche Nutzung von Abwasser für etwa 20 Pflanzenarten wie Oliven, Aprikosen und Pekan-Nüsse getestet, und zwar in Hinblick auf Ertragspotential, Schadstoffbelastung und Bewässerungstechnik. Bauern der Region haben sich zu einer Wassernutzervereinigung zusammengeschlossen und werden in den kommenden Jahren die Anbauflächen erweitern.

Es wird erwartet, dass bis 2020 mehr als 200.000 Menschen in Nablus und den umliegenden Dörfern von moderner Abwasserreinigung profitieren, wenn eine weitere über die KfW finanzierte Kläranlage in Betrieb gehen soll, darunter 30.000 Menschen aus den Flüchtlingslagern Asker und Balata.

Wasserverluste reduzieren

Begleitend fördert die KfW im Auftrag des BMZ die Reparatur des Systems zur Trinkwasserversorgung von Nablus, um Wasserverluste zu reduzieren. Von dem ohnehin knappen Trinkwasser gehen derzeit rund 35 % durch Lecks in den Leitungen und andere technische Fehler verloren. In der Altstadt von Nablus, die sich über 400 Höhenmeter an den biblischen Bergen der Samariter erstreckt, finden sich Wasserleitungen aus römischer, byzantinischer und britischer Zeit, eine echte Herausforderung für die Technik.